Das IfU berät Projekt “Designing for Inclusion, POLO”

Das IfU berät Projekt “Designing for Inclusion, POLO”

Das IfU war in beratender Funktion an dem Entwicklungsprozess von POLO, einem Wearable/Armband beteiligt, welches Menschen mit Blindheit und Sehbeeinträchtigung das Einkaufen und Stöbern im Supermarkt erleichtern bzw. ermöglichen soll. Der Kooperationsprozess beinhaltete intensive Gespräche und eine teilnehmende Beobachtung beim Einkaufen selbst. Dadurch wurden die Schwierigkeiten, Bedingungen und Optimierungsansätze für die  Anforderungen erarbeitet. Nicht zuletzt ist IfU Mitglied Elke Urban als Darstellerin im Informationsfilm zu POLO zu sehen.

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Hintergrund zu POLO

Polo ist ein Konzept von Design Studenten der Fachhochschule Potsdam. Es entstand innerhalb eines weltweiten Wettbewerbs zu inklusiver Gestaltung, ausgerichtet von Microsoft USA. Eine Dokumentation des Gestaltungsprozesses von Philipp Steinacher, Dominic Rödel, Laurids Düllmann und Henrik Hagedorn kann hier angesehen werden: http://medium.com/

Das Wearable wird über Bluetooth mit einer App verbunden. Die BenutzerInnen stellt über die App eine Einkaufsliste zusammen und startet im Supermarkt die Navigation. POLO weist nun über Vibrationsmuster den Weg: links, rechts, nach vorne, oben, unten. Zusätzliche Informationen werden über Sprachausgabe übermittelt. Die BenutzerInnen erfahren, dass sie sich auf das Teigwarenregal zubewegen, oder dass die Kekse vor ihnen 2,49 Euro kosten und glutenfrei sind. Die Informationen werden umso detaillierter, je langsamer sich die BenutzerInnen bewegen.

Durch die leistungsfähige Sprachausgabe und kontraststarke App-Gestaltung funktioniert Polo auch für Sehbehinderte. Polo verwendet außerdem einen Knochenkopfhörer. Mit dieser Technologie wird Schall über Knochen zum Trommelfell geleitet. Der Gehörgang bleibt frei.

Polo setzt auf RFID Tags an den Regalen, um Produkte ausfindig zu machen. Die Position der NutzerInnen innerhalb des Supermarkts wird über Bluetooth Beacons berechnet.

Beides stellt ein nahes Zukunftsszenario dar. Die Technologie wird zunehmend in Supermärkten installiert, um die eigene Logistik zu bedienen. Sie kann aber auch erweitert werden, um Konzepte wie Polo zu ermöglichen. RFID-Chips kosten nur noch Cent-Beträge.

Weitere Infos & Links:

http://research.microsoft.com/en-us/events/designexpo2015/

Social Heroes Stage: Das IfU zu Gast beim Kunstfestival 48 Stunden Neukölln (27.06.2015)

Unschärfe trifft auf Improvisationstheater

Am 27.06.2015 ist das Institut für Unschärfe zu Gast auf der „Social Heroes Stage“, welche von der Gruppe Improbanden im Rahmen von 48 Stunden Neukölln initiiert wird.

Wir freuen uns auf einen kulturell-informativen sowie unterhaltsamen Abend und interessanten Austausch in der Bar Lange Nacht im Berliner Schillerkiez .

Social Heroes Stage

Logo - 48 Stunden Neukölln

27.06.2015
21:00 Uhr
Bar Lange Nacht

Weisestraße 8, 12049 Berlin
(U8 Boddinstrasse)


Die Ankündigung von 48h Neukölln im Wortlaut

Social Heroes Stage – Improtheater bei 48 Stunden Neukölln

Die Improbanden holen zwei soziale Projekte auf die Bühne und stellen diese ins Zentrum einer Improvisationstheater-Show. Sie werden mit den Gästen des jeweiligen Projektes auf der Bühne über ihr Anliegen sprechen und die Schauspieler bitten, davon inspirierte Szenen zu improvisieren. 21:00 Die Kulturloge Berlin setzt sich aktiv und beeindruckend für kulturelle Teilhabe ein, indem sie freie Kulturplätze kostenlos an Menschen mit geringem Einkommen vermittelt. http://kulturloge-berlin.de 22:15 Das Institut für Unschärfe (IfU) will Sinne anders denken. Mit kulturellen Aktivitäten und wissenschaftlicher Arbeit zeigt das IfU einen anderen Umgang mit Sinneseinschränkungen. http://unschaerfe-institut.org

Foto: Improbanden - Social Heroes Stage
Quelle: Improbanden (http://improbanden.de/)

Links und Weiterführendes

>> Ankündigung bei 48h Stunden Neukölln
>> Website der Improbanden

Designen für die Inklusion: „Over shoulder study“ mit IfU Mitgründerin Elke Urban

Designen für die Inklusion: „Over shoulder study“ mit IfU Mitgründerin Elke Urban

Die Designer des von Microsoft Research gesponserten Projektes „Designing for Inclusion“ haben IfU Co-Gründerin Elke Urban interviewt und bei einem Lebensmittel-Einkauf ohne Kontaktlinsen begleitet um mehr über die Verhaltensmuster, Strategien aber auch Herausforderungen von Menschen mit geringerer Sehkraft zu erfahren.

In der online „work-in-progress-Dokumentation“ können in „Part 3: Interviews and Over-shoulder studies“ die Ergebnisse und Einsichten der Designforschung u.A. mit Elke Urban zum Thema Kurzsichtigkeit eingesehen- bzw. auch als Podcast bei soundcloud angehört werden.

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„Designing for inclusion“ ist ein Projekt von  Philipp Steinacher, Dominic Rödel, Laurids Düllmann and Henrik Hagedorn. Sie studieren Interface Design an der Fachhochschule Potsdam.

Veranstaltungseinladung: IfU Gründungsmitglied Felix Urban in der Denkerei

Am Mittwoch, den 11.02.2015 um 18.30 wird IfU Gründungsmitglied Felix Urban in der Berliner „Denkerei“ sprechen. Im Gespräch mit Tomke Braun zum Thema „Statement zur riskanten Stufe“ wird Urban auch einen ersten Einblick in den kommenden Themenschwerpunkt des Institut für Unschärfe geben.

Für das Jahr 2015 wird sich das IfU dem Schwerpunkt „Sinne anders Denken“ widmen und startet damit in die operative Phase. Für die Umsetzung der geplanten kulturellen und inhaltlichen Aktivitäten sind die Vorbereitungen bereits angelaufen. Insbesondere für ein innerstädtisches Projekt in Berlin hat sich ein Projektteam gebildet und Vorgespräche mit verschiedenen Kooperationspartnern geführt. Das IfU wird dazu in den kommenden Wochen Genaueres bekannt geben.

Das Gespräch „Statement zur riskanten Stufe“ findet im Rahmen der Veranstaltung „Die Treppe als Medium der Metaphysik. Von der schrägen Ebene zur Himmelsleiter“ statt, welche von Arthur Engelbert, Felix Urban, Julius Heinecke, Jana Bendigs, Ulrike Kuch und Tomke Braun durchgeführt wird.

Fakten:
Datum:                       11.02.2015, Mittwoch
Uhrzeit:                      18:30
Ort:                             Denkerei, Oranienplatz 2, 10999 Berlin

Links:
http://www.denkerei-berlin.de/
http://treppe.arthur-engelbert.de/

Unschärfe in den Raum gebracht

„Unschärfe bietet die Möglichkeit, sich in einer Welt zunehmender virtueller Erscheinungen mit einem realen Raum zu konfrontieren, in dem es kein klares Innen und Außen gibt, in dem die Wände transparent sind, obwohl sie aus schwerem Stahl gebaut sind, in dem normale Sehgewohnheiten wie die Trennung von Wand, Boden und Dach nicht eindeutig geklärt sind.“ (Quelle: Neues Museum Nürnberg)

Auf dem Klarissenplatz in Nürnberg war vom 11.04.2014 bis zum 29.06.2014 eine räumlich-architektonische Installation zu besichtigen. Aus einer Kooperation zwischen dem Neuen Museum Nürnberg und Prof. Matthias Loebermann & Institut für Architektur und Städtebau der Hochschule Biberach hervorgehend, wurde eine Raumskulptur von  insgesamt 648m³ geschaffen, die speziell auf das Erkunden und Erleben räumlicher Unschärfe konzipiert war.

Unschärfe (Bild: Ralf-Dieter Bischoff)
Bild: Ralf-Dieter Bischoff (Quelle: Neues Museum Nürnberg)

Laut Angaben des online Magazins kultur-online.net steht das Projekt „Unschärfe“ paradigmatisch für das Denken und Arbeiten des kooperierenden Insitutes für Arhcitektur und Städtebau (IAS) der Hochschule Biberach.

„Es entstehen bauliche Strukturen, die in der Lage sind, durch ihre konstruktive Fügung und morphologische Gestalt perzeptive Zwei- oder Mehrdeutigkeiten hervorzurufen und dennoch einen Ort zu schaffen, der trotz eindeutiger Unklarheit als positiv gestimmt wahrgenommen werden kann.“

Die Installation und die Aktivitäten des IAS reihen sich in die zunehmende Auseinandersetzung mit Unschärfe als ein kulturell-ästhetisches Phänomen ein.

 

 

Filmtipp: Saliya Kahawatte im ZDF – 37 Grad Portrait

Filmtipp: Saliya Kahawatte im ZDF 37 Grad Portrait

„Ich spiele jetzt seit fast 30 Jahren den Sehenden in der Welt der Sehenden und ich befürchte manchmal, dass mir diese Rolle schon in Fleisch und Blut übergegangen ist. Und ich mich eigentlich selber vergesse, dass ich eigentlich nicht sehen kann.“

Das Institut für Unschärfe empfiehlt die Dokumentation „Augen zu und Durch. Warum ich alles anders sehe”. In bewegender und aufschlussreicher Weise dokumentiert die Film-Autorin Anabel Münstermann den persönlichen Lebensweg des mit 15 Jahren nahezu erblindeten Saliya Kahawatte.

Das IfU empfiehlt die Dokumentation insbesondere, da sie sich nicht nur der Sehschwäche zuwendet und die visuelle Erfahrung von Kahawatte zu erfassen versucht, sondern darüber hinaus auch drei weiteren zentralen Fragen nachgeht:

  1. Wie verhalten und fühlen sich Menschen an der Schnittstelle zwischen „Behinderung“ und nicht „Behinderung?“
  2. Welchen Erwartungen und Reaktionen sehen sich Personen in den gesellschaftlichen Grenzbereichen auseinandergesetzt?
  3. Und welche Strategien wenden die Personen selbst an, um ihren Alltag zu gestalten (und möglichen Herausforderungen zu begegnen)?

1. Das Gefühl nicht entdeckt und entlarvt zu werden
Kahawatte erlebte einen abrupten Wechsel vom Sehenden hin zum Verlust der scharfen Sehkraft. Über einen langen Zeitraum lässt er sich als fast blinder nicht anmerken, dass er kaum etwas sieht. Obwohl es ein innerer Kampf war, hielt es ihn stark. Seine Motivation war die Erinnerung an einen blinden Barkeeper den er auf Reisen mit seinen Eltern gesehen hatte, als er noch sah, das hielt ihn stark und gab ihm die Kraft zu kämpfen. Ein kleines Netzwerk von „Mitwissern“ unterstützte ihn. Aufgrund gesundheitlicher Umstände brache er letztlich zusammen und lernte seine Behinderung nicht nur als zu kaschierende Schwäche, sondern in gewisser Weise auch als Stärke anzuerkennen.

2. Der Kampf gegen die Stigmatisierung
Kahawatte wollte nicht als Behinderter erkannt werden. Er wurde nicht erkannt. Selbst seine Chefin, für die er als Barkeeper arbeitete, bemerkte nichts. Als er erblindete hatte er keine andere Wahl Berufe auszuüben die für Nicht-Sehende geeignet sind bzw. sollte in einer Behindertenwerkstatt arbeiten. Diesen Stigmatisierungen wollte er entgegenwirken. Sein familiäres und privates Umfeld half ihm in den Anfängen. Mit akribischem Fleiß, zielgenauer Vorbereitung und zahlreicher maßgeblich über das Gehör und den Geruch ausgetragener Strategien, bewegte er sich selbstsicher in Jobs bis hin zu einer Führungspositionen. Dann kam der gesundheitliche Zusammenbruch mit Neuanfang. Diesmal nicht mehr mit Geheimnis. Dennoch mit den Konsequenzen, als „Behinderter“ zunächst nicht integriert zu werden, denn gerade als er sich zu seiner Behinderung bekannte bekam er keine Jobs mehr. Durch Selbständigkeit und die erneute Entwicklung einer eigenen Strategie fand er letztendlich einen neuen beruflichen Weg, diesmal als Unternehmensberater und Coach.

3. Virtuos, strategisch, selbstsicher, konzentriert und erschöpft.
„Wie aber schafft es jemand, der fast blind ist, als Barkeeper und Restaurantchef zu arbeiten ohne aufzufallen?“

Im Drehbericht zur Dokumentation auf der ZDF Website, schreibt die Autorin Ihre Antwort auf ihre eigene Frage:

Wie wir gelernt haben schafft Saliya das durch unbeschreiblichen Fleiß, ein fast fotografisches Gedächtnis und ein bisschen Magie“1

Die Dokumentation zeigt auch die Details: Durch akustische Erfahrung, z.B. darüber wie schmutzige und saubere Weingläser klingen, durch klare Ordnungssysteme der Flaschen, die er blind greifen kann; durch die physische Erfahrung und Erfassung der Räume; durch Gerüche und letztendlich durch vergangene Erfahrungen aus der Zeit vor dem Verlust der uneingeschränkten Sehfähigkeit, lassen Kahawatte den Alltag auf seine Weise meistern. Ausführlicher erläutert er diese Details in seinem Buch „Mein Blind Date mit dem Leben“.

Auch wenn anhand der Dokumentation drei Antworten sichtbar werden, so kann man diese nicht isoliert voneinander betrachten. Sie zeigen die gegenseitige Beeinflussung von Einzelperson und Gesellschaft. Sowohl das individuelle Verhältnis mit der eigenen Biografie als auch das Stigma der Gesellschaft bedingen sich gegenseitig. Die so genannte Inklusion liegt da möglicherweise in der Mitte. Die Dokumentation stößt diesen Gedanken an.

Zuletzt bleibt dann noch die Tatsache des unscharfen Sehens.

4. Verschwommen und Schemenhaft
Für Kahawatte findet das restliche Sehen, welches ihm geblieben ist, in einem Potpourri statt „der aus diesen Farbfeldern herausquillt“. Es ist eher so ein Farb-Brei, den ich durch drei Dicke Milchglasscheiben sehe“. In seiner Biografie macht er das schlechte Sehen selbst nicht zum Thema. Vielmehr handelt es davon, wie er sein Leben darum gestaltet und wie er damit in der Welt der Sehenden agieren kann. Mit seinem unternehmen MinusVisus schlägt er die Brücke, nicht nur durch den Namen, sondern auch durch die Services für Barrierefreiheit, welche er anbietet.

„Augen zu und durch.
Warum ich alles anders sehe“
Dokumentation, Deutschland, 2014
(Erstsendung: 21.01.2014)
Länge: 30 min.

Ein Film von: Anabel Münstermann
Kamera: Vita Spieß
Ton: Christopher Zahlten
Schnitt: Petra Scherer
Produktion: Franziska An der Gassen (Tellux)
Marlies Schwab (ZDF)
Redaktion: Brigitte Klos
Online-Redaktion: Uschi Hansen

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2070872/Augen-zu-und-durch

Literatur:
Kahawatte, Saliya: Mein Blind Date mit dem Leben. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2009. 208 S., 17,95 €.

Entgegen der allgemeinen Annahme

Wem ein Sinn fehlt, der fokussiert sein Leben mit den Anderen.
Dennoch wird im Bezug zwischen Musikern oft noch eine andere besondere Bedeutung vermutet; eine besondere Gestaltungshöhe, Sensibilität und Gespür.

Um die Persönlichkeiten blinder Musiker rankt sich häufig eine Aura der Bewunderung. Ray Charles, Andrea Bocelli und viele andere Personen waren blind und leisteten großartiges in der Musik. Jeder Musiker hat selbst sein eigenes Verhältnis und den Umgang mit dem nicht vorhandenen Sehvermögen. Für die Eine oder den Anderen ist es eine Inspiration, ein Mittel zu Erhöhter Aufmerksamkeit oder auch nur  ein Schicksal das keinen überzubewertenden Einfluss auf das Leben und Werk hat. Die verschiedenen Statements schreiben schon Biografien.

Der in New York lebende Neo-Soul and Jazzmusiker Raul Midón hingegen beschreibt in einem Interview im Tagesspiegel den Zusammenhang zwischen seiner Blindheit und dem musikalischen Schaffensprozess klar und sachlich als eine Herausforderung.

„Ich denke nicht. Es gibt eine verbreitete Annahme, dass einen das zu einem besseren Musiker macht. Einige denken, es macht einen einfühlsamer für die Musik, ich denke nicht so.“

Als blinder Mensch muss man im Leben generell härter arbeiten. Einfach zur Schule zu gehen oder die alltäglichen Dinge zu erledigen, dauert viel länger und braucht mehr Kraft.“

Midón beschreibt einzig sich als Blinder mit anderen Herausforderungen selbst durchsetzen zu müssen, dass es diese Anstrengung ist, die ein Antrieb für seine musikalisches Schaffen ist.

„Es ist eine andere Wahl.“

Entgegen der allgemeinen Annahmen, haben wir hier ein Beispiel das zeigt, dass Blindheit nicht zwangsläufig besondere Musik hervorruft. Vielleicht ist aber der zwingend erforderliche Ehrgeiz, die Notwendigkeit und die benötigte Anstrengung die Stellschraube zu eigener Gestaltungskraft und beeindruckenden Ergebnissen.

Referenz (auf Deutsch. Podcast auf English):

Altun, Atila: Interview mit Raul Midón „Ich wäre gern hier gewesen, als Berlin noch geteilt war“. Tagesspiegel, 07.03.2013 (abgerufen am 08.04.2013)

Großdruck und Eitelkeit

In der amerikanischen Komödie „My Name is Earl“ trifft Eitelkeit auf Großprint.
In der  Episode 2 der ersten Staffel liest die Mutter von „Donny Jones“ eine überdimensionale Bibel.

My Name is Earl - Episode 1, Season 1 [Source: Screenshot, Series, DVD 1, 20th Century Fox, 2011]
My Name is Earl – Episode 1, Season 1 [Source: Screenshot, Series, DVD 1, 20th Century Fox, 2011]
Jonny begründet die Größe der Bibel damit, dass seine Mutter sich weigert eine Lesebrillle zu tragen. Es lasse sie alt aussehen, daher verweigere sie sich. Die Bibel lässt zuerst Earl mit dem Buch in der Hand zwanzig Zentimeter tiefer in das Sofa sinken. Später liest die Mutter aus der Bibel, wobei sich herausstelt, dass Pro Seite ca. nur 5 Worte Platz finden. Letztendlich dient die Bibel in der letzten Szene der Begegnung von Earl in Donnys Haus als wuchtiges Mittel der Mutter um Earl eine rüberzuziehen und angemessen zu bestrafen.

Earl Hickey in „My Name Is Earl“ ist ein Kleinstadtgangster, der nachdem er mit seinem  gewinnenden Lotterielos von einem Auto angefahren wird, Karma entdeckt und versucht alles schlechte, das er jemals getan hatte, wieder gut zu machen.

Unscharf an den Rändern

Der von den Ärzten bekannte Rockmusiker Farin Urlaub widmet sich mit “Unscharf”, dem zweiten Track des Albums “Die Wahrheit übers Lügen” seiner Band Farin Urlaub Racing Team aus dem Jahre 2008, unverwechselbar dem Thema Unschärfe.

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Farin Urlaub – Unscharf an den Rändern [Quelle: Youtube Screenshot]

Die instrumentale Musik des Songs selbst ist ziemlich klar und scheint nicht die Unschärfe darzustellen zu versuchen. Interessant wird es hingegen bei dem Liedtext. Urlaub beschreibt eine weibliche Unbekannte, wobei nicht geklärt wird, ob es eine Person, ein Foto oder vielleicht etwas ganz anderes ist. “Sie ist unscharf an den Rändern” lässt Bildaffine Menschen sofort an die Vignettierung bei Fotografien denken; jener Effekt bei dem sich der Rand in den Ecken verdunkelt, an Weitwinkelmotive die sich zum Rand hin verzerren, oder schlechte digital Aufnahmen. Spricht er also von dem Bild einer Frau? Spricht er von einer Dame die er nicht versteht oder sich nicht anzusprechen getraut? Oder gar von etwas ganz anderem?

Die Antwort hat er offensichtlich noch nicht gegeben und so sind die Interpretationen im Internet auch vielfältig. Dennoch ist dem Musiker eines gelungen: Die Bedeutung des Textes ist unscharf – oder müsste es dann eher “unklar” heißen.

Sehtest Im Wohnzimmer

Beim schwedischen Möbeldiscounter IKEA gibt es eine Wandleuchte, die überrascht: Die von David Wahl für IKEA of Sweden designte Lampe besteht aus eine milchigen Glasplatte, die mit verschiedenen Mustern bestückt werden kann. Eines davon enthält kleiner werdende Buchstaben wie sie vom Augenarzt bekannt sind. Zu Deko-Zwecken wird eine Sehprobentafel in den Wohnraum geholt, oder wohin sonst?

Ikea Wandleuchte im Sehprobentafel-Design (Quelle: www.ikea.de)

Die Idee selbst ist aus dem Alltag gegriffen. Der Nutzen daher umso interessanter. Aus welchem Grund wird sich eine Person dieses Design in das Zimmer hängen? Zielt IKEA/der Designer auf die Augenärztliche Fachkundschaft? Ist es eine Hilfestellung für die Computergeplagten Arbeitswütigen um täglich sicherzustellen, dass die Sehkraft nicht unter dem Bildschirmleuchten leidet? Ist es die Erinnerung an die Sehschwachen, dass sie nur die erste Zeile lesen können und es nie besser werden wird? Oder ist es für ebendiese um sich zu freuen, dass die Sehkraft konstant bleibt?

Den Grund wird jede/r einzelne nur selbst nennen können. Dennoch ist es interessant, dass die ehrfürchtige Tafel, die über Brille „ja oder nein“, über Führerschein „ja oder nein“ mitentscheidet, nun als Gimmick in einem Massenmarkt verkauft wird.