Entgegen der allgemeinen Annahme

Wem ein Sinn fehlt, der fokussiert sein Leben mit den Anderen.
Dennoch wird im Bezug zwischen Musikern oft noch eine andere besondere Bedeutung vermutet; eine besondere Gestaltungshöhe, Sensibilität und Gespür.

Um die Persönlichkeiten blinder Musiker rankt sich häufig eine Aura der Bewunderung. Ray Charles, Andrea Bocelli und viele andere Personen waren blind und leisteten großartiges in der Musik. Jeder Musiker hat selbst sein eigenes Verhältnis und den Umgang mit dem nicht vorhandenen Sehvermögen. Für die Eine oder den Anderen ist es eine Inspiration, ein Mittel zu Erhöhter Aufmerksamkeit oder auch nur  ein Schicksal das keinen überzubewertenden Einfluss auf das Leben und Werk hat. Die verschiedenen Statements schreiben schon Biografien.

Der in New York lebende Neo-Soul and Jazzmusiker Raul Midón hingegen beschreibt in einem Interview im Tagesspiegel den Zusammenhang zwischen seiner Blindheit und dem musikalischen Schaffensprozess klar und sachlich als eine Herausforderung.

“Ich denke nicht. Es gibt eine verbreitete Annahme, dass einen das zu einem besseren Musiker macht. Einige denken, es macht einen einfühlsamer für die Musik, ich denke nicht so.”

Als blinder Mensch muss man im Leben generell härter arbeiten. Einfach zur Schule zu gehen oder die alltäglichen Dinge zu erledigen, dauert viel länger und braucht mehr Kraft.”

Midón beschreibt einzig sich als Blinder mit anderen Herausforderungen selbst durchsetzen zu müssen, dass es diese Anstrengung ist, die ein Antrieb für seine musikalisches Schaffen ist.

„Es ist eine andere Wahl.“

Entgegen der allgemeinen Annahmen, haben wir hier ein Beispiel das zeigt, dass Blindheit nicht zwangsläufig besondere Musik hervorruft. Vielleicht ist aber der zwingend erforderliche Ehrgeiz, die Notwendigkeit und die benötigte Anstrengung die Stellschraube zu eigener Gestaltungskraft und beeindruckenden Ergebnissen.

Referenz (auf Deutsch. Podcast auf English):

Altun, Atila: Interview mit Raul Midón “Ich wäre gern hier gewesen, als Berlin noch geteilt war”. Tagesspiegel, 07.03.2013 (abgerufen am 08.04.2013)

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